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Willkommen

Die Schweizerischen Kommission für die Erhaltung von Kulturpflanzen (SKEK) 
wünscht Ihnen viel Erfolg bei den Projekten im neuen Jahr.

Willkommen

bei der Schweizerischen Kommission für die Erhaltung von Kulturpflanzen (SKEK)

NEWSLETTER SKEK

Winter 2022-23

Liebe Mitglieder und Interessenten,

Schon wieder ist beinahe ein Jahr vorbei. In diesem Jahr war es endlich wieder vermehrt möglich, sich zu treffen und auszutauschen. So dürfen wir auf ein spannendes Jahr mit der Mitgliederversammlung bei der Sativa, inspirierenden Besuchen bei verschiedenen Mitgliedern und einer gelungenen Fachtagung zurückschauen.

Für die kalten Tage haben wir Ihnen abwechslungsreiche Artikel zusammengestellt. So erfahren Sie mehr über die Projekte Sagezu und Drink4Trees, beides sind innovative Ideen unserer Mitglieder. Ausserdem werfen wir einen Blick zurück auf die Tage der Agrarökologie in der Schweiz.

Doch auch im nahen und fernen Ausland tut sich einiges. So gibt es beispielsweise Neuigkeiten vom Treaty, der Datenbank EURISCO oder dem Projekt Cycling Seeds.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen, frohe Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Mit freundlichen Grüssen

Die Geschäftsstelle der SKEK

Neues von der SKEK

Wir suchen ab dem 1. Februar 2023 ein/e Mitarbeiter/in (40-50%)

Wir schreiben die folgende Stelle aus: ein/e Mitarbeiter/in 40-50%

Die Stellenausschreibung finden Sie hier.

Die Bewerbungsfrist endet am 22. Dezember.

Bitte leiten Sie diese Anzeige an interessierte Personen weiter.

Rückblick auf die Fachtagung 2022

Am 17. November fand in Zollikofen die Fachtagung der SKEK mit dem Titel "Genuss traditioneller Sorten" statt, an der rund siebzig Personen teilnahmen, online waren es rund zehn. Der Morgen wurde von Mathias Bamert von ProSpecieRara eröffnet, der die Teilnehmer in die Welt der Gemüsedegustationen entführte. Tania Brasseur nahm das Publikum in einem Interview mit auf eine Reise durch das kulinarische Erbe der Schweiz. Der Vormittag endete mit einem fesselnden Vortrag von Olivier Viret über die klonale Biodiversität des Chasselas. Die anschliessende Weinprobe war nicht nur eine Geschmacksübung, sondern auch ein gutes Beispiel für die Umsetzung des Projekts, das von der Fondation du conservatoire mondial du Chasselas geleitet wird.

Nachdem sich die Teilnehmer mit einem Mittagsbuffet gestärkt hatten, wurden sie zu drei Workshops eingeladen. In diesen durften sie von Dora Meier Neuigkeiten über die Hochstamm-Zwetschgen im Tafeljura und dem damit verbundenen Verein Posamenter erfahren, welcher den örtlichen Landwirten die Zwetschgen abkauft und zu verschiedenen Produkten weiterverarbeitet. Zum Probieren gab es Dörrzwetschgen aus drei verschiedenen Sorten und ein Zwetschgenchutney. Roni Vonmoos-Schaub sprach über das Roggenprojekt im Aostatal und führte das Publikum dazu, fünf verschiedene Roggenbrotsorten zu testen.

Sylvie Ramel sprach anschliessend über Gemüse, ein Thema, das sie perfekt beherrscht. Ihr Workshop in Form einer freien Diskussion ermöglichte den Teilnehmern Abstecher zu den gesundheitlichen Vorteilen von Gemüse, seinem Geschmack und der Frage, was noch fehlt, um lokales und saisonales Gemüse populärer zu machen, in einer Zeit, in der ein Teil der Bevölkerung nicht mehr weiss, welches Gemüse in der Schweiz wächst und zu welcher Jahreszeit es wächst. Wir lernten, dass der hohe Ballaststoffgehalt von rohem Gemüse - Grundnahrungsmittel der Darmmikrobiotat eines jeden Menschen - genauso wichtig oder sogar wichtiger für die Gesundheit ist wie der Vitamin- und Mineralstoffgehalt desselben Gemüses. Innovative Lösungen wie Gruppen, in denen Abonnenten von Gemüsekörben Rezepte austauschen, wurden ebenfalls diskutiert, um die Freude an der Zubereitung der vielfältigen Palette von Saisongemüse zu steigern und so den Geschmack von Pflanzen zu unterstreichen, die weniger häufig auf unseren Tellern zu finden sind.

Es wurde besonders darauf geachtet, dass die Online-Übertragung der Verkostung und der Workshops für die Teilnehmer interessant war. Ergebnisse der Umfrage

Die Umfrage unter den Teilnehmern (55% Teilnahme) ergab, dass die überwältigende Mehrheit mit dem Kongress sehr zufrieden war. Alle Präsentationen und Workshops wurden von der Mehrheit der Befragten sehr gut bewertet, wobei die gute Mischung zwischen den Präsentationen und Workshops hervorgehoben wurde. Besonders hervorgehoben wurde, dass die Begeisterung der Referentinnen und Referenten für ihre Themen spürbar war und dass die Workshops wertvolle neue Inputs lieferten. Die Rolle, die der Jahreskongress als Plattform für Begegnung, Austausch und Information spielt, wurde von den Befragten stark hervorgehoben, da dies für sie von Jahr zu Jahr ein notwendiger Punkt sei. Und dass sie es schätzten, genügend Zeit für Diskussionen zu haben. Die verschiedenen Vorträge und die Möglichkeit, verschiedene Produkte zu verkosten, wurden ebenfalls sehr geschätzt. Besonders hervorgehoben wurde, dass die Begeisterung der Referenten für ihre Themen spürbar war und dass die Workshops wertvolle neue Inputs lieferten. Auch die Online-Teilnehmer waren mit der Online-Erfahrung sehr zufrieden. Von Seiten der CPC wurde in Zusammenarbeit mit dem technischen Team besondere Sorgfalt darauf verwendet, dass die Online-Übertragung der Verkostung und der Workshops für die Teilnehmer trotz fehlender sensorischer Erfahrung interessant war.
 

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Runder Tisch über traditionelles landwirtschaftliches Wissen

Am 2. Dezember 2022 versammelten sich rund 15 Interessierte im Espace Dickens in Lausanne zum jährlichen Tag, der dem Projekt Fundus Agri-Cultura Alpina gewidmet ist. In diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf traditionellem landwirtschaftlichen Wissen. Nach einer kurzen Vorstellung der CPC-SKEK durch die Direktorin Agnès Bourqui konnten drei Personen ihre Aktivitäten vorstellen, die in sehr unterschiedlichen Bereichen angesiedelt sind, aber alle mit dem traditionellen landwirtschaftlichen Wissen zu tun haben.

Jean-Claude Pesse, Maultiertreiber beim Verein Transhumance et Traditions, machte den Anfang und erklärte unter anderem, warum und wie er Zaunpfähle und Laibe aus Gruyère auf dem Rücken eines Maultiers in die Freiburger Voralpen transportiert.

Jack Capt folgte und erklärte, wie der Beruf des Bäckers im größten Bannofen des Kantons Waadt, dem Ofen von Moiry aus dem 18. Jahrhundert, aussehen kann. Von den Getreidesorten, die er für sein Brot verwendet, über den Sauerteig, den er in homöopathischen Dosen verwendet, bis hin zur Art des Holzes, das er zum Heizen dieses riesigen Ofens benutzt, musste er, der zuvor in industrielleren Bäckereien gearbeitet hatte, jede Etappe seines Berufs neu erfinden und sich dabei von der Vergangenheit inspirieren lassen. Dank des Volumens und der Trägheit seines Ofens kann er die Restwärme nutzen, indem er Baisers backt und dem ganzen Dorf anbietet, Speisen zu backen oder Obst zu trocknen, und so eine Tradition fortsetzt, die mit den gewöhnlichen Backöfen verbunden ist.

Schliesslich stellte Cyril Maillefer von der Genossenschaft L'Autre Temps ihre Wiedereingliederungsaktivitäten im Zusammenhang mit der Landwirtschaft und speziell mit hochstämmigen Obstbäumen vor. Die Arbeit der Kooperative ermöglicht die Verwertung von Obst, oftmals von alten Sorten, die sonst aus Zeitmangel der Landwirte vernachlässigt würden. Mit einer guten Kenntnis der Obstsorten ermöglicht dies auch, den Geschmack dieser Früchte bestmöglich zur Geltung zu bringen, in der Kelterei in Orbe und in der Kelterei in Céry, nicht weit von Lausanne entfernt.

Clément Levasseur, Projektleiter des Fundus Agri-Cultura Alpina, berichtete anschließend über den Stand des Projekts im französischsprachigen Alpenraum. Nicht weniger als 114 neue Artikel und 47 Übersetzungen aus dem Deutschen wurden zwischen April 2021 und Oktober 2022 online gestellt, hauptsächlich zu den Themen Obstbäume, Wein und Nutztiere. Es gibt noch viel zu tun rund um traditionelles Wissen und Bräuche, daher das Thema der Tagung 2022.

Zum Abschluss des Tages fand eine Podiumsdiskussion statt, bei der jede Person die Möglichkeit hatte, ihre Meinung zu äußern, und bei der der Nutzen einer Plattform wie des Fundus Agri-Cultura Alpina sowie die vorrangigen Themen diskutiert wurden. Die letzte Frage war zwar schwer zu beantworten, aber die Bestandsaufnahme traditioneller landwirtschaftlicher Praktiken, die Bestandsaufnahme bestehender Projekte und die Vernetzung dieser Projekte wurden als wichtig erachtet. Landwirte, die diese Traditionen fortführen wollen, können sich so mit Kollegen austauschen, ihre Effizienz steigern und fühlen sich weniger allein. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass es Lücken bei der Ausbildung in traditionellen landwirtschaftlichen Praktiken gibt. Als positiv wurde hervorgehoben, dass es eine Vielzahl kleiner, oft recht neuer Projekte gibt, die dieses traditionelle landwirtschaftliche Wissen umsetzen. Hoffen wir, dass diese erfolgreich sind und einige Praktiken wieder auf den neuesten Stand bringen können!

Weitere Informationen: Fundus Agri-Cultura Alpina
 

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Neues von den Mitgliedern der SKEK

Das Projekt Sagezu von Hortiplus: Samengemeinschaftszucht

Urban Gardening ist ein zunehmender Trend und wird immer wichtiger. Zu den Werten der urbanen Gartengemeinschaften gehört ein möglichst ökologische und nachhaltiger Vorgehen von Anfang bis Ende sowie auch soziale und ökonomische Aspekte. Besonders Gemüse wird in den Stadtgärten angebaut. Dazu benötigt es Saatgut von bewährten und speziell für urbane Gärten geeigneten Sorten. Sagezu-Gemeinschaften haben es sich zur Aufgabe gemacht, ausgewählte Sorten züchterisch an ihre Bedürfnisse, Vorlieben, Örtlichkeiten und Verwendungen anzupassen.

Die Beteiligten der Gartengemeinschaften übernehmen die unabhängige und kontinuierliche Züchtung und Saatgutvermehrung. Die Sortenvielfalt von Nutzpflanzen wird so gestärkt und die Sorten werden an ändernde Klimabedingungen und Bedürfnisse angepasst. Zudem wird das kulturelle Erbe und die biologische Vielfalt in der Gesellschaft neu verankert. Mit der gemeinschaftlichen Samenzucht werden traditionelle Sorten aufgewertet und in einer vielfältigen und nachhaltigen Nutzung verankert. Die Erhaltung und Nutzung von Kulturpflanzensorten wird so einer urbanen, traditionell nicht bäuerlich-gärtnerischen Gesellschaft erklärt und ermöglicht.

Weitere Informationen: Sagezu
 

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Drink4Trees - Cider aus dem Rheintal

Die Interessengemeinschaft “Rheintaler Cider” bestehend aus Eva Körbitz, Romano Andreoli, Anna Dalbosco, Jennifer Oppliger und Tobias Oppliger hat sich Ende 2020 gebildet. Sie hat gemeinsam mit Fructus und der Unterstützung des NAP das Projekt “Drink4Trees” aufgegleist, bei welchem es darum geht, aus traditionellen, regionalen Apfelsorten aus dem Rheintal Cider herzustellen und diesen zu vermarkten. Durch die aktive Nutzung der traditionellen Sorten sollen diese weiterhin bewahrt werden. Zudem können so Hochstammbäume und ihre vielfältigen Lebensräume gepflegt und erhalten werden. Im Rahmen des Projekts werden die Apfelsorten Kindsköpfler, Wildmuser, Glockenapfel, Blauacher und Boskoop verwendet.

Neu im Sortiment gibt es seit diesem Jahr auch eine alkoholfreie Variante des Ciders. Der hergestellte Cider wird auf regionalen Märkte, in regionalen Läden und der Delicatessa-Abteilung von Globus verkauft. Ein Teil des Umsatzes wird dazu verwendet, neue Bäume traditioneller Apfelsorten zu pflanzen und so weiter zur Erhaltung dieser genetischen Ressourcen beizutragen.

Weitere Informationen: Cider aus dem St.Galler Rheintal - Drink4Trees
 

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National

Rückblick auf die Tage der Agrarökologie

Die Tage der Agrarökologie fanden den ganzen Oktober über statt und hatten zum Ziel, die Agrarökologie in der Schweiz und insbesondere im politischen Kontext bekannter zu machen. In diesem Rahmen wurde bei zahlreichen Veranstaltungen in allen Sprachregionen und fast allen Kantonen der Schweiz Wissen über die Agrarökologie vermittelt. Initiiert wurde diese Veranstaltungsreihe von "Agroecology Works!", einem Verein mit 24 Mitgliedern aus dem akademischen Bereich, Forschungsinstituten, sozialen Bewegungen, Produzenten und NGOs.

Die Agrarökologie in der Agrarpolitik war eines der Themen, die in Form einer Podiumsdiskussion in die Öffentlichkeit getragen wurden. Im Zentrum stand eine Masterarbeit einer Studentin der ZHAW, die ein Interview mit einem vielfältigen Publikum führte und schloss.

Im Rahmen der Ausrichtung der zukünftigen Agrar- und Ernährungspolitik kann so langfristig ein nachhaltigeres Ernährungssystem unter Einbezug der Agrarökologie erreicht werden.

An einer weiteren Podiumsdiskussion drehte sich alles um die Frage "Genomeditierung oder bäuerliches Saatgut?". In drei spannenden Vorträgen wurden verschiedene Aspekte der Genomeditierung in der Züchtung von Kulturpflanzen und der traditionellen, bäuerlichen Züchtung aufgezeigt. Anschliessend wurde mit dem interessierten Publikum diskutiert, was zusätzliche Einblicke zu diesem Thema ermöglichte.
 Das gezogene Fazit der Veranstaltung zeigte auf, dass die Genomeditierung unter Berücksichtigung der Agrarökologie eher nicht als einzige Lösung geeignet ist, da sich diese oft auf nur eine spezifische, genetisch manipulierbare Eigenschaft konzentriert. Um langfristig gut angepasste Kulturpflanzen zu erhalten, welche nachhaltig nutzbar sind, ist es von Vorteil diese in der entsprechenden Umgebung mittels bäuerlicher Selektion zu züchten.

Weitere Informationen: Events | Agroecology Works!
 

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International

Symposium Biologische Vielfalt in Berlin

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung hat am 6. und 7. Dezember in Berlin und als Online-Übertragung ein Symposium zum Thema der biologischen Vielfalt in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft durchgeführt.

Am ersten Tag fand eine Podiumsdiskussion mit Vertretern von Bundesinstitutionen für Ernährung und Landwirtschaft, Züchtern und Organisationen zur Erhaltung der Biodiversität statt. Anschliessend stellten mehrere Redner aus der Praxis ihre beispielhaften Massnahmen im Zusammenhang mit der genetischen Vielfalt vor, z.B. in der On-Farm-Erhaltung oder ein Konzept für eine multifunktionale Landwirtschaft, das auch unter sehr trockenen klimatischen Bedingungen belastbar ist.

Am zweiten Tag hat Antje Feldmann aufgezeigt, dass auch bei bedrohten Nutztierrassen gilt, dass Erhaltung durch Nutzung unabdingbar ist. Neben der Nutzung sind wichtige Punkte die Vernetzung der Züchter, eine professionelle Vermarktung der Produkte und eine angepasste Förderpolitik wichtige Punkte für eine erfolgreiche Erhaltung der genetischen Vielfalt.

Zur genetischen Vielfalt in deutschen Wäldern hat Dr. Heino Wolf einen Einblick gewährt. 75% des Waldes in Deutschland werden von lediglich 5 Baumarten gebildet, welche jedoch teilweise innerhalb einer Art genetisch ebenfalls sehr divers sein können. Im Forst handelt es sich grösstenteils um Wildpflanzen und keine gezüchteten Sorten. Dies wird unter anderem auch dadurch bedingt, dass sich rund 85% des Waldes selbst verjüngen und kein Einfluss von menschlicher Seite möglich ist.
 Dr. Ralf Kätzel betonte ergänzend, dass auch im Wald die Nutzung von genetisch wertvollen Bäumen weiterhin möglich sei, sofern das Genmaterial gesichert werden konnte.

Zur On-farm-Erhaltung von pflanzengenetischen Ressourcen hat Rudolf Vögel mit zwei Praxisbeispielen (Champagnerroggen und Linsenanbau in Baden-Württemberg) anschaulich dargestellt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um eine erfolgreiche Erhaltung zu gewährleisten. Als besonders wichtig erachtete er die langfristige Förderung und Unterstützung der On-farm-Akteure und ihrer Netzwerke, da diese in der Regel nicht staatlich finanziert werden.

Prof. Dr. Andreas Graner sieht die Ex-Situ-Erhaltung von Genmaterial als zentrale Säule der Erhaltung von Kulturarten, sie ermöglicht  ein Erhaltungsmanagement, Charakterisierung pflanzengenetischer Ressourcen, eine internationale Vernetzung von Sammlungen und leistet Beiträge zu Innovationen in Pflanzenzüchtung und Pflanzenbau.

In der abschliessenden Diskussion wurden zwei Punkte besonders betont. Einerseits ist es wichtig, dass sich das Netzwerk der Erhalter von genetischer Vielfalt auch nach aussen vermehrt öffnet und sein Anliegen immer wieder zum Thema macht. Eine Zusammenarbeit der einzelnen Bereiche (Pflanzen, Tiere, Forst, Fischerei und Mikroorganismen) ist dabei besonders wichtig. Andererseits sollte das oberste Ziel immer die Erhaltung der genetischen Vielfalt sein, unabhängig von einem Produktionsstandard und ohne eine Entwicklung zu verhindern. Biodiversität muss sich weiterentwickeln und an die Umstände anpassen können, um wirksam zu sein und zu bleiben.

Weitere Informationen: BLE - Meldungsarchiv - Symposium: Biologische Vielfalt.Klima.Ernährung – Zukunft!

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Neues vom Internationalen Vertrag über pflanzengenetische Ressourcen

Vom 19.-24. September 2022 fand in Neu-Delhi die 9. Sitzung des Verwaltungsrats statt. Dabei wurde die Arbeit an einem Massnahmenpaket zur Verbesserung der Multilateralen Systems (MLS) zum Zugang und gerechten Vorteilsausgleich von PGREL fortgesetzt. Eine Beratungsgruppe zum Thema “Erhaltung und nachhaltige Nutzung” wurde für ein weiteres Jahr bestätigt. Zudem soll ein Symposium zur Umsetzung der Rechte der Landwirte ausgerichtet werden. Das 6-Jahresprogramm für das Globale Informationssystem (GLIS) wurde verabschiedet und ein Strategieentwurf zur Einbindung der Lebensmittelindustrie in die Finanzierungsmechanismen mittels freiwilliger Zahlungen angenommen. Die zehnte Sitzung des Verwaltungsrats wird im November 2023 in Rom stattfinden.

Weitere Informationen: Kurzbericht GB 9: GENRES

 

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Die internationale Datenbank EURISCO

Der European Search Catalogue for Plant Genetic Resources (EURISCO) ist eine internationale Datenbank, welche einen zentralen Zugang zu Informationen über die pflanzengenetische Vielfalt bietet, die in mehr als 400 Instituten in 43 europäischen und benachbarten Ländern, darunter die Schweiz, erhalten wird. Derzeit sind mehr als zwei Millionen pflanzengenetische Ressourcen in EURISCO dokumentiert, darunter 6.737 Gattungen und 45.175 Arten. 
 

Seit der ersten Veröffentlichung in der Zeitschrift Nucleid Acid Research im Jahr 2017 ist das Datenvolumen in EURISCO kontinuierlich gewachsen. Jedes Jahr werden zwischen 30 und 40 Datensätze der nationalen Verzeichnisse in EURISCO aktualisiert, und zwar für durchschnittlich 350.000 bis 400.000 Akzessionen pro Jahr. 

Anfang 2022 wurde die EURISCO-Benutzeroberfläche vollständig überarbeitet und umfasst nun eine kombinierte Suche über Passport- und phänotypische Daten, eine facettierte Suche, kartenbasierte Auswahlmöglichkeiten von Akzessionen sowie Suchindizes für wissenschaftliche Namen und gebräuchliche Pflanzennamen. Im Jahr 2023 wird EURISCO auch Daten über In-situ-Populationen von wilden Verwandten von Kulturpflanzen aufnehmen, die eine wichtige Ressource für Programme zur Verbesserung von Kulturpflanzen sind. 

Weitere Informationen: EURISCO Update 2023

 

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Die politische Pflanze

Das Projekt „Pflanzen, Wissen, Engagement - Entwicklung, Erprobung und Verbreitung innovativer Bildungsformate an Naturschutzakademien und Botanischen Gärten“, kurz “Die politische Pflanze” genannt, läuft seit dem Oktober 2019 in Deutschland. Das Fachwissen der beteiligten Partner soll gebündelt werden und eine Zusammenarbeit zwischen Botanischen Gärten und Naturschutzakademien gestärkt werden. Dabei sollen die Bildungsverständnisse reflektiert werden und neue Methoden, Formate und Bildungsansätze im Zusammenhang einer Bildung für nachhaltige Entwicklung generiert werden. Die Bildungsangebote sollen die Verbindungen von Natur, sozialer Gerechtigkeit, Wirtschaftlichkeit und politischer Handlung verdeutlichen. Besondere Beachtung findet dabei der Weg vom botanischen Wissen zum politischen Handeln.

Weitere Informationen: Die politische Pflanze
 

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Das Abenteuer Cycling Seeds

Eléonore Mahée war im Rahmen des Projekts Cycling Seeds während rund fünf Monaten lang mit dem Fahrrad auf den Strassen von Italien, Albanien, Griechenland, der Türkei und Georgien unterwegs. Dabei konnte sie vielfältige Erkenntnisse zur Verwaltung von bäuerlichem Saatgut in diesen Ländern erlangen.

Alle befragten Akteure drängen auf eine spezifische Gesetzgebung für bäuerliche Saatgutsysteme auf europäischer und nationaler Ebene. Die Mehrheit der Produkte stammt in den besuchten Ländern nach wie vor aus Industriesaatgut. In sehr ländlichen Gebieten und Bergregionen hat Eléonore Mahée jedoch vermehrt Bauern angetroffen, die bäuerliches Saatgut zum Anbau ihrer Produkte verwenden.
 Zusammenfassend musste Sie bei ihrer Reise feststellen, dass es in den bereisten Ländern oft kein nationales Netzwerk gibt, sondern es sich um Initiativen von lokalen Organisationen oder Einzelpersonen handelt, welche unterschiedlich gut miteinander koordiniert sind. Diese lokalen Organisationen stehen oft in Kontakt mit internationalen Organisationen und Organisationen aus anderen Ländern. Es lässt sich der Schluss ziehen, dass in jedem Fall eine Vielzahl von Akteuren notwendig ist, um das bäuerliche Saatgut zu erhalten.
 Neben den nationalen Saatgutbanken sind weitere lokale Saatgutbanken unverzichtbar, welche insbesondere bäuerliche Sorten aufbewahren. Um weitere Unterstützung in Form von finanziellen Mitteln, Kommunikation und der Organisation von Veranstaltungen zu erhalten, arbeiten die lokalen Saatgutbanken mit Gemeinden zusammen. So hat beispielsweise eine Gemeinde in der Türkei ihre eigene Landwirtschafts- und Ernährungspolitik entwickelt und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Ein ebenso wichtiger Akteur in der Erhaltung von bäuerlichem Saatgut stellt die Wissenschaft und die Forschung dar.

Die Strategien zur Vermehrung und der Abgabe von bäuerlichem Saatgut sind in der verschiedenen Ländern unterschiedlich aufgebaut und auch nicht überall gleich streng. Alle sind sich jedoch einig, dass traditionelles Saatgut auch auf dem Feld kultiviert werden soll. Kataloge mit einem Saatgut-Verzeichnis werden erstellt, wovon einige sogar im Internet verfügbar sind. So beispielsweise die Kataloge der Almanach der Gemüsesorten Apuliens, des griechischen Netzwerks Sito Seeds und des georgischen Netzwerks Elkana.

Zur Erhaltung von bäuerlichem Saatgut konnten vielseitige, interessante Vorschläge der Akteure aus den besuchten Ländern gesammelt werden. Besonders wichtig scheint dabei die Erhaltung durch die aktive Nutzung der Pflanzen und der Einbezug von lokalen Bauern und Bäuerinnen.

Weitere Informationen: Cycling Seeds
 

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Das Projekt APRENTISEM

Das Projekt APRENTISEM (“Bonnes pratiques pour les apprentissages relatifs aux semences paysannes”) gehört zu einem Prozess, welcher vor rund 20 Jahren aufgegleist wurde. Das Ziel ist, auf die Herausforderung des Verschwindens von genetischer Vielfalt bei Kulturpflanzen zu reagieren. Ein wichtiger Aspekt ist dabei der zunehmende Verlust von Wissen und Know-How über die Erhaltung von Saatgut auf dem Bauernhof. Die Partner von APRENTISEM (Réseau Semences Paysannes, Red de Semillas, Rete Semi Rurali) arbeiten auf globaler Ebene mit fast 150 Organisationen zusammen, um das Wissen und Können rund um das Saatgut zu bewahren und zurückzugewinnen.
 APRENTISEM bemühte sich um eine Analyse der Lernmethoden im Zusammenhang mit der kultivierten Biodiversität innerhalb der Partnerorganisationen. Die Ergebnisse dieser Studie wurden in einem Leitfaden (nur in französischer Sprache) dargestellt.

Weitere Informationen: Guide APRENTISEM
 

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